Sprich nicht über den Rauftreff!

March 21, 2018 | Author: Anonymous | Category: N/A
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15 Minuten (13): vor dem Altenheim “In Würde alt werden” dies sollte nicht nur für Senioren, sondern auch für uns junge Menschen ein elementares Thema sein. Auch unser Jahr hat nur 365 Tage, die Minute lächerliche 60 Sekunden, und die Uhr macht unaufhörlich “Tick-Tack”, “Tick-Tack”, “Tick-Tack”. Unsere Zukunft ist nicht wirklich sicher. Was aber sicher ist, dass einige von uns die “Überdosler”, “Discocrasher” und “Volksfestprügler” mal ausgenommen - im hohen Alter in eine Sammeleinrichtung wie das Altenheim abgeschoben werden könnten. Aus diesem Grund nehme ich mir jetzt einfach die Zeit und platziere meinen “noch” knackigen Arsch für exakt 15 Minuten, sprich 900 Sekunden, vor einen dieser Rentnerpools. Mal sehen, was da so abgeht. Die hellgrünen, saftigen Blätter der stämmigen Eichen rascheln leise im Wind. Unter den Bäumen sitzen die menschlichen Oldtimer. Meist im Rollstuhl, viele mit Krückstock. Zehn Minuten vergehen - es passiert nichts. Absolut gar nichts. Betrachtet man ein schlafendes Faultier, würde man mehr erleben. Ich schärfe meinen Blick. Sind die Blätter ein wenig dunkler geworden? Nein. Die Alten reden nicht, sie bewegen sich nicht. Zeit ist relativ. Sie starren ins Nichts, und ich starre zu ihnen. “Tick-Tack”, “Tick-Tack”, “Tick-Tack”. Dann sind die fünfzehn Minuten vorbei, und ich bin froh, zurück in meine Zeitdimension kehren zu können - inklusive ihren Ereignissen im Sekundentakt. Nach dem Motto “sitzt du noch oder erlischt du schon” stehe ich ganz schnell auf und verlasse den müden Schauplatz. cepes

Juni/2005 Stoff Zum Lesen:

In Soma

Sprich nicht über den Rauftreff ! Sondern lies, warum Frauen und Männer in kultivierte Raufereien verfallen Die erste Regel des Rauftreffs: Du sprichst nicht über den Rauftreff. Gut, eigentlich lautet die erste Regel: Jeder soll Spaß haben. Gewisse Gemeinsamkeiten des Rauftreffs Freising und München mit dem cineastischen Fight Club lassen sich jedoch nicht abstreiten. Die Geheimniskrämerei zum Beispiel: Wann und wo sich die Raufbolde genau treffen, wird nur den Mitgliedern verraten. “Es gibt einige unerfreuliche Elemente, die sich sonst dort breit machen würden”, erklärt Gerhard Schrabal, seines Zeichens Begründer des Rauftreffs und damit gewissermaßen der Brad Pitt Freisings. Die zweite Regel des Rauftreffs lautet übrigens: Niemand soll verletzt werden - also keine Kratzer und Fausthiebe, keine Stuhlschläge und kein Stacheldraht. Der Rauftreff ist nicht Schrabals Antwort auf das Ultimate Fighting - vielmehr steht die persönliche Entfaltung der Beteiligten im Vordergrund. Vom Raufen fürs Leben lernen lautet die Devise. Schrabal will, dass seine Kombattanten das Kind in sich entdecken. Das spie-

lerische Balgen betrachtet er als bedeutenden Pfeiler der Persönlichkeitsentwicklung: “Frauen hatten da schon immer Defizite, bei den Jungs ist es inzwischen ähnlich.” Kinder sind nach Schrabals Angaben stets fasziniert, wenn sie beim Rauftreff zusehen - Erwachsene hingegen sähen meist bewusst weg, wenn sie den Rauftreff in Aktion erleben. Als Schauplatz der Scharmützel dienen Freisings Seen an warmen Sommertagen: Jeder Rauftreff startet damit, dass die Mitglieder gepflegte Konversation betreiben nur, um dann in ebenso kultivierte Raufereien zu verfalllen: “Man muss schon ein gewisses kulturelles und gesellschaftliches Niveau haben, um sich auf den Rauftreff einzulassen - das gilt besonders für Männer.” Laut Schrabal bewerben sich zehnmal so viele Männer wie Frauen beim Rauftreff obwohl die Veranstaltung eigentlich vorrangig der weiblichen Selbstfindung dienen soll. “Über die mögliche Motivation der Herren sage ich mal nichts.” Überhaupt hätten die Herren der Schöpfung eine

Seite 1: Rauf doch mal wieder Seite 2 Dreimal die Tagesthemen Seite 3 Prima, Ballerina! Seite 4 Soma postert Seite 5 Du Wurm, du! Seite 6 Auf den Grill gepackt

Ein Jahr SOMA in Zahlen

ganz andere Einstellung zum Raufen: “Männern sehen es als Wettkampf, während es Frauen vor allem ums Einfühlen geht.” Als Beweis führt Schrabal ein

Video vor, in der eine passionierte Rauferin bekennt: “Es ist aufregend eine Frau zu spüren - am Ende sind wir am Boden und schauen, wie weit wir gehen.” maho/mikz

In den vergangenen 365 Tagen haben wir 31.200 Zeilen getippt und in 13 Soma-Ausgaben verbastelt. Insgesamt haben wir an die 16.000 Somas und 15.000 Flyer in Freising, Neufahrn, Moosburg und Eching verteilt. Dabei haben wir auf jeden Fall 780.000 Meter zurückgelegt, zum Glück nicht mit dem Fahrrad. Die weitgereisteste Soma befindet sich auf der anderen Seite der Erdkugel in Neuseeland und damit 20.000 Kilometer von Freising entfernt. Um die Soma jeden Monat erneut leben zu lassen, haben wir in einem Jahr 60 offizielle Somatreffen abgehalten und dabei locker 900 Liter Bier und Weinschorlen verköstigt. 9-mal wurden noch volle Gläser umgestoßen und dabei hat sich 2-mal jemand von uns verletzt. Trotzdem und deswegen richten wir nun 1 großes, dickes Dankeschön an unsere cepes Leser. Anzeige

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